Der Historische Arbeitskreis Flörsheim

Was ist der Historische Arbeitskreis Flörsheim, und was macht er.

 

Hier ein paar Presse Stimmen.

Historischer Arbeitskreis will Identität der Stadt Flörsheim bewahren

FLÖRSHEIM - Anfang März haben Heimatforscher in Flörsheim den „Historischen Arbeitskreis Flörsheim“ gegründet. Bedingung für Mitstreiter: Jeder muss schon einen Beitrag zur Flörsheimer Geschichte geleistet haben. Zu den vier Gründern, Dr. Bernhard Thomas, Professor Horst Thomas, Hans-Jakob Gall und Reinhard Lehrig, stieß schon bald der Künstler und Grafiker Kurt Wörsdörfer hinzu.

Alle sind Mitglieder des Flörsheimer Heimatvereines. Ihre unregelmäßigen Treffen finden dort im Büro statt. „Wir verstehen uns nicht als Konkurrenz zum Heimatverein“, erklären die Herren. Ihre Zielsetzung sei eine andere. So seien „Alleinstellungsmerkmale“ des Heimatmuseums die Pflege des Ansehens der Schütz-Gemälde und die Produkte der Flörsheimer Fayence-Fabrik (FFF), eventuell noch die jüngste Ortsgeschichte. Der Historische Arbeitskreis will Öffentlichkeit herstellen, will die „Geschichte der Stadt erforschen, dokumentieren, ergänzen und die historische Identität der Stadt Flörsheim bewahren und sicherstellen“.

Homepage wird erstellt

Jedes der fünf Mitglieder hat ein Spezialgebiet und wird Projekte betreuen. Der Arbeitskreis wird eine eigene (noch zu erstellende) Website betreiben (www.Historischer-Arbeitskreis-Flörsheim.de), in die die Homepage von Bernhard Thomas (www.flörsheim-1656.de) eingearbeitet ist. Die Jahreszahl nimmt Bezug auf das älteste Flörsheimer Grundbuch, das die Hofreiten innerhalb der Ortsbefestigung und den Grundbesitz in der Gemarkung der Flörsheimer Bürger im Jahr 1656 aufführt.

Die Liste der spannenden Projekte zu historischen Fragestellungen ist lang. Das erste Projekt war die Lösung des Rätsels um die Inschrift IP-WL über dem Kellereingang gegenüber dem Heimatmuseum. Und die eifrigen Heimatforscher können ihn jetzt in die Zeit um 1610 datieren. Erbaut wurde er von Johann Peter Wolpert. Eine Sensation: Er ist damit die älteste identifizierbare und erhaltene zivile bauliche Struktur in Flörsheim, entstanden vor dem 30-jährigen Krieg.

Ein gutes Beispiel, wie die Zusammenarbeit im Historischen Arbeitskreis funktioniert, ist das Projekt „Historische Ziegelhütte und Kalkbrennöfen“ vor dem Stadtteil Keramag. Prof. Horst Thomas war als Architekt vom Denkmalschutzamt vor die Aufgabe gestellt: Die Ruinen zuschütten oder überdachen. Er entschied sich bekanntlich für eine überdachte Überquerung der Brennöfen. Sein Cousin Bernhard Thomas wiederum fand in Gerichtsurteilen aus dem 18. Jahrhundert, dass das Gelände, das jetzt von der Bundesstraße durchschnitten wird, beim Erben nicht geteilt werden durfte. Der Käufer Nikolaus Hochheimer (gestorben 1775) wurde Schwiegersohn vom Eigentümer Godron, der zwei Töchter hatte. Doch Nikolaus blieb ohne eigene Erben. Die Godron-Kapelle, auch bekannt als „Fatima-Kapelle“ an der alten Hochheimer Straße, war die Hauskapelle des Ziegelhüttenbetriebs. Ein weiteres spannendes Projekt, bei dem der Arbeitskreis von Prof. Ernst Metzner aus Rüsselsheim unterstützt wird, beschäftigt sich mit einem Rätsel: Es gibt aus dem 17.Jahrhundert 90 Inventarlisten von Handwerkerbetrieben, es fehlt die der Fischerzunft. Oberkommissar Hepp, der von den Schweden 1632 als Statthalter von Flörsheim eingesetzt wurde, hat täglich Tauben, Wildenten, Weißbrot und Fische konsumiert, obwohl die Bevölkerung hungerte. Seine Fische bezog er aber nur aus Rüsselsheim – die Heimatforscher fragen jetzt: Gab es überhaupt eine Fischerzunft in Flörsheim? Hatte Flörsheim überhaupt Fischereirechte?

Ein langfristiges Projekt von mehr als zehn Jahren wird die Sichtung und Ordnung des Stadtarchivs sein, das zurzeit auf drei Gebäude verteilt ist. „Wir wissen nichts über das Stadtarchiv“, staunt Bernd Thomas, der auf einen Zugang des Arbeitskreises hofft.

Ganz überraschend meldete Kurt Wörsdörfer „sein Projekt“ an: Ihm wurden mehr als 500 Glasplatten und Dias der Flörsheimer Fotografen Paul und Fabian Flesch überlassen, die seit 1928 auch kommerziell arbeiteten.

Jeder, der in Flörsheim etwas erforscht hat, soll über die Website angeregt werden, seine Arbeiten im Historischen Arbeitskreis vorzustellen: „Wir werden sie prüfen, sortieren und so an andere weitergeben.“ Angedacht ist, dass Projekte in der Kulturscheune vorgestellt werden.

Quelle: Main-Spitze/Klockner 12.03.2015

Gemeinsam Geschichte der Stadt erforschen

FLÖRSHEIM - Unter dem Namen „Historischer Arbeitskreis Flörsheim“ möchten fünf geschichtsinteressierte Männer künftig die Geschichte der Stadt erforschen, dokumentieren und der Öffentlichkeit zugänglich machen.

Der Kreis mit den Mitgliedern Bernhard Thomas, Hans-Jakob Gall, Reinhard Lehrig, Horst Thomas und Kurt Wörsdörfer hat sich zum 3. Februar gegründet und ist gerade dabei eine Liste mit Projekten auszuarbeiten, an denen sie allein und im Team forschen und arbeiten wollen. „Wir alle sind miteinander vernetzt und werden unsere eigenen Ergebnisse mit denen von anderen zusammenfügen, um so das Puzzle der Geschichte Stück für Stück zusammenzusetzen“, erklärte Bernhard Thomas.

„Wir sind alle Mitglieder des Heimatvereins und sind keine Konkurrenz zu diesem“, versicherten die Hobbyforscher, die aber eine andere Zielsetzung im Mittelpunkt sehen möchten, als die, die der Heimatverein satzungsmäßig festgeschrieben habe. „Der Heimatverein hat vorrangig das Ziel, sich um die Schützbilder und die Fayencen zu kümmern. Ältere Geschichte interessierte da bislang wenig“, meinte Bernhard Thomas. Allen Mitgliedern des Arbeitskreises sei gemein, dass sie bereits Erfahrungen im historischen Forschen gesammelt hätten und auf unterschiedlichste Projekte zurückblicken könnten. Die neue Gruppe möchte ihre Ergebnisse stets auf einer Homepage veröffentlichen, um die Bürger an ihrer Arbeit teilhaben zu lassen. „Vielleicht können wir so auch weitere Erkenntnisse von anderen Forschern einfließen lassen“, meinte Hans-Jakob Gall.

Die Projekte der ehrgeizigen Geschichtsfreunde sind vielfältig. Zum einen möchten sie beispielsweise die Geschichte der Ziegelhütte und der Kapellen im Umfeld, etwa der Rodkapelle, aufarbeiten oder auch die Hinweistafeln an der Warte um historische Angaben ergänzen. Auch das Thema Fischerei in Flörsheim spukt den Herren im Gedächtnis. Im 17. Jahrhundert gäbe es keine einzige Inventarliste eines Anwesens, die einen Hinweis auf die Fischerei liefere. „Rostige Nägel sind aufgeführt, aber Angelhaken, Netze keineswegs“, gibt Bernhard Thomas als Beispiel. Auch hätte ein von den Schweden eingesetzter Oberkommissar in Flörsheim 1632 stets Fische aus Rüsselsheim essen müssen. „Da sind viele Fragen offen“, so Thomas.

Neben solchen thematischen Einzelthemen möchte der Arbeitskreis auch das strukturelle historische Arbeiten verbessern. „Das Stadtarchiv liegt an drei verschiedenen Standorten und bislang weiß niemand so recht, wo und wie etwas vorhanden ist. Das wäre ein Projekt für die nächsten zehn Jahre“, mutmaßt Thomas. Mit Bürgermeister Michael Antenbrink dachten die Hobbyforscher schon über eine Zusammenführung der Archivakten nach, die bislang an drei Standorten – Keller der Stadthalle, Eddersheimer Straße und im sogenannten „Nato-Bunker“ auf der Keramag – liegen.

Ein historisches Rätsel hat die Forschergruppe unlängst gelöst. Sie fanden Flörsheims ältesten Keller, den sie baulich auf das Jahr 1610 datieren. Reinhard Lehrig und Bernhard Thomas war es gelungen, die Inschrift „IP-WL“ über den Kellerabgang des Nebengebäudes des Frankfurter Hofes, ehemalige Rotkreuzwache, zu identifizieren.

„IP-WL“ steht für Johann Peter Wolpert, sodass die beiden Forscher genau zuordnen können, wann der Keller errichtet sein muss. Heute steht der alte Gewölbekeller, der einst mal als Lager vom Heimatmuseum genutzt wurde, leer, aber unter Wasser. „Der Keller ist damit die älteste identifizierbare und erhaltene zivile bauliche Struktur in Flörsheim“, erklärt Thomas, der auch beweisen kann, dass beispielsweise Eva Pfannkuch nicht – wie lokalhistorisch vermutet – zum Gasthaus „Anker“ gehörte, sondern deren Besitz in der Nachbarschaft des Wolpertschen Kellers zu suchen ist.

Kurt Wörsdörfer möchte sich der Aufarbeitung des fotografischen Fundus von Paul und Fabian Flesch widmen.

Quelle: Echo online/drh 12.03.2015

Geschichte des Faber-Anwesens in Flörsheim kann bis ins 17. Jahrhundert zurückverfolgt werden

 

FLÖRSHEIM - Das Faber-Anwesen, das zurzeit ein Investor unter den Auflagen des Denkmalschutzes saniert, hat die zweitälteste interpretierbare Inschrift an einem Flörsheimer Gebäude. Das fanden die Heimatforscher Reinhard Lehrig und Bernhard Thomas, Mitglieder des Historischen Arbeitskreises in diesen Tagen heraus. Ihnen gewährt Hausherr Dirk Budde „jederzeit Zutritt zum gesamten Gelände“.

 

Die Geschichte des sogenannten Faber-Anwesens in der Obermainstraße 6 – die Heimatforscher nennen es „Patrizierhaus der von Uffenbachs“ – geht bis ins 17. Jahrhundert zurück. Das historische Areal an der ehemaligen Stadtmauer wurde schon vor mehreren hundert Jahren intensiv genutzt.

 

Inschrift gab Rätsel auf.

Die Inschrift über dem Kellereingang „1661 GLW“ gab den Heimatforschern zunächst ein Rätsel auf. In den Gerichtsbüchern finden sie in der Ersterwähnung Georg Lindheimer, ein Frankfurter, der in Flörsheim ansässig ist. Er übernimmt 1646 durch Tausch das Anwesens, eine Hofreite, von Hans Kohl: „nahe bey der oberpforthe, oben zu dem Brengisch Haus“. Georg Lindheimer von Wurth dokumentiert 1661 mit der Inschrift das Anwesen als seinen Besitz. 1710 ziehen sich die Lindheimers aus Flörsheim zurück und verkaufen nach und nach ihren gesamten hiesigen Besitz. So ist festgehalten, dass Friedrich von Uffenbach, ein Frankfurter Bürger und ein Bekannter von Lindheimers Sohn Thomas, am 16. Juni 1722 zwei unbebaute Grundstücke („Hofreitplacken“) aus dem Anwesen für 80 Florin erwirbt. Sie waren im Besitz der direkten Nachbarn, den Flörsheimern Sebastian Planck und Hans Jacob Thubic.

 

„Das zeigt, dass Lindheimer das Anwesen in mehrere Parzellen unterteilt hat, um es günstiger verkaufen zu können“, folgert Bernhard Thomas, der dafür aber keine Belege im Gerichtsbuch finden konnte. 1712 hatte von Uffenbach bereits einen Weinberg von Thomas Lindheimer gekauft. Bernhard Thomas konnte auch die Größenangaben des neuen Besitzes in der Obermainstraße herausfinden: Das gekaufte Areal hatte Kantenlängen von „65-52-61-52 Schuh“, das ergibt eine fast quadratische Fläche von 340 Quadratmetern. Der Baubeginn des Haupthauses, der heutigen „Faber-Villa“ mit dem charakteristischen Uhrturm, datiert Thomas auf das Jahr 1722.

 

Am 19. Mai 1729 kauft Friedrich von Uffenbach aus den Grundstücken der Nachbarn „ein Stück zu seinem Garten“, etwa 1 100 Quadratmeter (Zehn-Schuhige Rute). Johannes Bernhard musste dafür seine Scheune abreißen und daneben neu aufbauen, denn der Abstand zur von Uffenbachschen Mauer musste eineinhalb Schuh (50 Zentimeter) betragen. Von Uffenbach war ein großer Förderer des Flörsheimer Malers Christian Georg Schütz. Die Erben des Friedrich von Uffenbach verkauften das Anwesen 1758 an den Mainzischen Hofrat Gottfried von Gall (1723-1783). Von Gall fand seine letzte Ruhestätte in der St. Galluskirche im Boden im Mittelgang vor der Kommunionbank. Bei Heizungsarbeiten 1989 wurde sein Grab entdeckt, das 1917 überfliest worden war. Das Wappen über dem Hauptgebäude der Villa ist das „derer von Gall“: ein durch ein Tor springendes Pferd. Galls Frau war eine geborene Roßport („Roßpforte“). Im Jahr 1800 erwirbt der Flörsheimer Oberschultheiß Martin Neumann das Anwesen. 1825 geht es auf seinen Schwiegersohn Oswald Weilbächer, danach auf dessen Erben über.

 

Seit 1896 befand sich eine Fabrikanlage des Chemiefabrikanten Noerdlinger im Gebäude. Seinen heutigen Namen hat das Anwesen durch das Unternehmen Heinrich Faber, der in den Räumen einen Möbel- und Teppichgroßhandel samt Lager betrieb. Seit 2009 befand sich die Immobilie im Besitz eines Faber-Sohnes.

 

Stadt plante Teilabriss.

Bereits in den 1950er Jahren gab es Pläne der Stadt, das lange Zeit leer stehende Anwesen zu erwerben, um durch einen Teilabriss eine direkte Verbindung von der Hauptstraße zur Artelbrückstraße zu schaffen. Doch stattdessen hat die Stadt vor einigen Jahren das angrenzende Grundstück mit Zugang zum Stadtgarten erstanden.

 

Wie es mit dem Areal weitergeht, liegt nun in den Händen des Massenheimer Hotelbetreibers Dirk Budde, der zurzeit Wohnungen und Büroräume in den historischen Mauern ausbaut (wir berichteten). Der gelernte Kaufmann bringt als Liebhaber historischer Immobilien einige Erfahrung bei Sanierungen mit. „So alte Gemäuer haben ihre Eigendynamik“ schwärmt er. Kombiniert mit modernem Komfort bekämen sie einen besonderen Charme.

 

Quelle: Main-Spitze/Klockner 08.06.2015

 

 

HISTORISCHER ARBEITSKREIS

Im Februar hat sich ein neuer Historischer Arbeitskreis in Flörsheim formiert. Fünf interessierte Heimatforscher wollen der Stadtgeschichte auf den Grund gehen. Sie recherchieren vor allem in alten Gerichtsbüchern, um Rätsel der Heimatgeschichte zu lösen.

 

Bernhard Thomas, Hans-Jakob Gall, Reinhard Lehrig, Horst Thomas und Kurt Wörsdörfer arbeiten arbeitsteilig und in Projekten. Kontakt, Anregungen und Kritik am Historischen Arbeitskreis unter info@flörsheim-1656.de.

 

Buchtipp: Bernhard Thomas hat bisher zwei Bücher „Flörsheim 1656 – Eine Rekonstruktion“ I und II in der Reihe „Geschichte vor Ort” verfasst, in denen auch andere Inhalte sowie Zusatzinformationen und aktuelle Forschungen veröffentlicht sind. Preis je Band: 19.80 Euro.

Aktuelle Mitarbeiter:

Dr. Bernhard Thomas, Professor Horst Thomas, Reinhard Lehrig, Kurt Wörsdörfer, Reinhold Habicht, Michael Petry und Heinz Peter Vogel